Die Brutvögel

Nordrhein-Westfalens

logo NWO NWO
Nordrhein-
Westfälische
Ornithologengesellschaft
logo LANUV
-->
A+
A
A-

Halsbandsittich (Psittacula krameri)

Bestandsentwicklung

Veränderungskarte Halsbandsittich

Veränderung der Brutverbreitung

Die erste Freilandbeobachtung gelang 1967 im Bereich des Kölner Zoos (Ernst 1995), vielleicht gibt es Halsbandsittiche aber bereits seit 1962 im Stadtwald Köln (Kahl-Dunkel 2002). Der erste deutsche Brutnachweis erfolgte 1969 ebenfalls in Köln (Ernst 1995). Dann vervielfachte sich der Bestand mit einem Mal, als in der Nähe des Zoos bei einem Sturm ein Baum auf die Voliere eines Züchters stürzte und 20 Halsbandsittiche entkamen (A. Kahl-Dunkel briefl.). Es folgte eine zunächst langsame Bestandszunahme, die in kalten Wintern wie 1978/79 Rückschläge erlitt (Schürmann 1981, Kahl-Dunkel 2002). In den 1990er Jahren wuchs die Population dann rasant an: 1998 wurden im Januar 630-650 Vögel gezählt, 1999 waren es etwa 800 (Kahl-Dunkel & Werner 2002). Im Jahr 2003 betrug der Sommerbestand etwa 1.500 Individuen (Braun 2004), 2007/2008 waren es ungefähr 1.800 bei einem Brutbestand von 500-600 Paaren (A. Kahl-Dunkel briefl.). Die letzte Zählung im Januar 2010 ergab nach einem Kälteeinbruch höchstens 1.400 Individuen (A. Kahl-Dunkel briefl.).

Von Köln aus breiteten sich die Sittiche über Brühl nach Bonn aus. Die erste Feststellung im Brühler Schlosspark erfolgte 1972, die erste Brut fand 1975 statt (Rheinwald & Kneitz 2002). Bonn wurde 1979 erreicht, ein Jahr später bestand erstmals Brutverdacht, und 1981 wurde ein Brutversuch unternommen (Mildenberger 1984). Beobachtungen während der Brutzeit gibt es inzwischen auch südlich von Bonn bis Bad Honnef. Vom Kölner Nordwesten gelangten Halsbandsittiche bis Pulheim (Rhein-Erft-Kreis) und von Fühlingen oder Stammheim bis nach Düsseldorf (Kahl-Dunkel 2002). Dort sind sie seit 1983 bekannt; die erste Brut fand ein Jahr später statt (Michels 1992). Der Bestand wuchs auch dort stark an: Im Winter 2001 wurden etwa 400 Vögel gezählt (Kahl-Dunkel 2002), im Jahr 2005 betrug der Brutbestand 36-69 Paare (Kahl-Dunkel 2002) bei insgesamt etwa 800 Individuen (Franz & Krause 2003). In Bonn und Düsseldorf haben sich auch eigene Winter-Schlafplätze etabliert. Mittlerweile hat sich eine Population gebildet, die von Bonn bis Krefeld reicht und 850-1.100 BP umfasst.

Die erste Halsbandsittichbeobachtung in Westfalen gelang 1968 in Kamen-Westik (Kühnapfel in NWO 2002). Dort sowie in Dortmund-Dellwig bestand in den nächsten Jahren Brutverdacht, der erste Brutnachweis gelang aber erst 1985 in Hamm (Köpke 1987). Weitere Bruten fanden 1989 auf dem Hauptfriedhof in Bochum sowie 1991 in Datteln statt. In zahlreichen weiteren Städten Westfalens — vor allem im Ruhrgebiet — gab es Einzelbeobachtungen, ohne dass sich ein dauerhafter Brutbestand etablieren konnte (Krause 2001, Pennekamp in NWO 2002). Es bleibt nun abzuwarten, ob sich die nach Norden ausbreitende rheinische Population im Ruhrgebiet behaupten kann. Eigentlich sollte die Wärmeinsel des Ballungsraumes für diese Art geeignet sein.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es in den atlantisch geprägten Regionen zu stärkeren Bestandszunahmen kam als im Rheinland: In England erfolgte ein erster Brutversuch 1969, und 2001/02 umfasste der Winterbestand bereits etwa 5.900 Vögel (Butler 2002). Inzwischen sind es um die 30.000 Individuen (Holling et al. 2011). In den Niederlanden wurden 2008 115 BP erfasst (van Dijk et al. 2010a); der Gesamtbestand beträgt etwa 9.800 Individuen (van den Berg & Haas 2010). In Belgien brüteten im Jahr 2002 etwa 5.600 Paare (Vermeersch et al. 2004), heute sind es ca. 7.000 BP (Bauer & Woog 2008). Dies zeigt, dass die klimatischen Bedingungen für die in NRW beheimatete Population offenbar ungünstiger sind als für die stärker vom atlantischen Klima beeinflussten westeuropäischen Populationen.

Inhalt

Artenverzeichnis

Bitte geben Sie hier Buchstaben ein, um die Artenliste einzublenden.

Der Brutvogelatlas wurde unterstützt von

Artpate werden

Unterstützen Sie die Arbeit der NWO durch die Übernahme einer Patenschaft

Artpaten