Die Brutvögel

Nordrhein-Westfalens

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Wasserralle (Rallus aquaticus)

Bestandsentwicklung

Veränderungskarte Wasserralle

Veränderung der Brutverbreitung

Besonders isoliert brütende Wasserrallen sind selbst bei Einsatz einer Klangattrappe nur schwer erfassbar (Wonneberger & Lomme 2001), so dass Bestände vermutlich oft unterschätzt wurden und großflächige Bestandsangaben mit Vorsicht betrachtet werden sollten.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Wasserrallen verbreitete Brutvögel der Niederrheinischen Tiefebene mit Brutnachweisen aus dem Viersener Bruch, den Gegenden um Mönchengladbach-Odenkirchen, Moers, Kempen und Wassenberg (Le Roi 1906). Am Ende des 19. Jahrhunderts kamen sie wohl auch in einigen Gebieten des Bergischen Landes vor, denn 1884 brüteten sie „auf allen Teichen in der Elberfelder Gegend“ (Le Roi 1906). Auch Neubaur (1957) fand Wasserrallen „vielerorts in der niederrheinischen Tiefebene“, aber nur selten in den Mittelgebirgen.

Entwässerungsmaßnahmen seit Beginn der 1950er Jahre führten zum dauerhaften Verlust zahlreicher Brutplätze (Mildenberger 1982). Auch Gewässerverschmutzung und die dadurch verursachte Veränderung der Pflanzenwelt konnten einen stark negativen Einfluss auf Populationen ausüben, kurzfristig auch harte Winter oder Trockenperioden. So halbierte sich der Bestand von 40-50 Paaren an den Nette-Seen, und auch die Bestandsverluste am Unteren Niederrhein durch den Winter 1962/63 konnten erst nach fünf Jahren wieder kompensiert werden (Mildenberger 1982). Hinweise auf Bestandsrückgänge lagen bereits 1915/16, 1921/23 und 1952 vor, die aufgrund von Trockenlegungen von Sümpfen und Flussregulierungen eingetreten waren (Peitzmeier 1969).

Nach Peitzmeier (1969) brüteten Wasserrallen in Westfalen mit Ausnahme der Waldgebiete in allen Regionen; die Verbreitung konzentrierte sich aber auf das Münsterland und das östliche Ruhrgebiet. Regelmäßige Brutvorkommen bestanden in den 1960er und 1970er Jahren im Ruhrtal bei Echthausen (dort seit 1987 verschollen), mit 20-30 BP in den Rieselfeldern Münster, mit etwa 20 im Zwillbrocker Venn und sechs im Großen Torfmoor (Gries et al. 1979, NWO 2002). Peitzmeier (1969) schätzte den Bestand auf 11-100 BP, was aus heutiger Sicht sicherlich zu niedrig angesetzt war.

In Nordrhein waren Wasserrallen seltene, aber regelmäßige Brutvögel in den Kreisen Kleve, Wesel und Viersen. Weitere Vorkommen gab es im Kreis Heinsberg und dem Rheinischen Braunkohlerevier (Mildenberger 1982). Seit 1970 wurden die Vögel auch im Rhein-Sieg-Kreis als Brutvögel festgestellt, ebenso in den Kreisen Mettmann, Essen, Neuss, Düren und Aachen, so dass der insgesamt rückläufige Bestand für Nordrhein auf 110-130 Rev. geschätzt wurde (Mildenberger 1982). In den 1980er Jahren stabilisierten sich die Bestände jedoch bei 100-180 Rev. (Wink et al. 2005). Gegenüber der Kartierung 1974-84 kam es sogar zu einer Arealzunahme von über 80 %, die jedoch auf eine Kombination aus verbesserter Erfassung, Ausweitung von Feuchtbiotopen und milden Wintern zurückzuführen war (Wink et al. 2005). Für den Zeitraum 1989-1994 wurde der Bestand in Westfalen auf 200-305 Rev. geschätzt, mit dem Hauptvorkommen in den Rieselfeldern Münster (40-45 Rev.; NWO 2002). Zusammen mit den Vorkommen in Nordrhein (Wink et al. 2005) lag der Landesbestand in den 1990er Jahren bei 300-485 Rev. Im Zeitraum 2005-2009 waren es 200-600 Rev., wobei die große Spanne die reale Schwankungsbreite widerspiegelt, die sich aus dem jährlich wechselnden Wasserstand in den Wasserrallenhabitaten ergibt. Nach den bis in die 1970er Jahre andauernden Rückgängen hat sich der Wasserrallenbestand seitdem stabilisiert, wenn es auch zu einer Arealausweitung gegenüber den 1990er Jahren gekommen ist. Dieser Bestandsverlauf gilt vermutlich für ganz Deutschland (ADEBAR, in Vorb.), und auch in den Niederlanden schwankten die Bestände im Zeitraum 1990 bis 2010 sehr stark in einem konstanten Rahmen (SOVON 2012).

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