Die Brutvögel

Nordrhein-Westfalens

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Bachstelze (Motacilla alba)

Lebensraum

Ursprünglich war die Bachstelze ein Vogel von Schotter-, Kiesund Sandbänken bzw. -ufern größerer Flüsse und Seen mit einem reichhaltigen Angebot an Insekten (Bauer et al. 2005). Heute besiedelt sie in der Kulturlandschaft eine Vielzahl von Lebensräumen. Diese sind geprägt durch vegetationsfreie bis -arme Freiflächen, da eine hohe geschlossene Vegetationsschicht die Nahrungssuche verhindert. Hier sind in erster Linie stark abgeweidete Viehweiden und frisch gemähte Wiesen und Grünlandflächen sowie frisch umgebrochene bzw. neu eingesäte Ackerflächen zu nennen. Die Nähe von Weidetieren wird wegen der häufig großen Zahl von Insekten, die sich dort aufhalten oder beim Weidegang aufgescheucht werden, gezielt aufgesucht. So bezeichnet Mildenberger (1984) „ausgedehnte Grünlandgebiete mit Viehhütten und Melkställen“ als Optimalhabitate. Aufgrund der kurzrasigen Flächen besiedeln Bachstelzen auch Dörfer und Gartenstädte sowie Parkund Grünanlagen und Gewerbegebiete in Städten. Weitere genutzte Lebensräume sind Industrieanlagen, Abgrabungen, Steinbrüche und Waldlichtungen (Mildenberger 1984, Pfeifer in NWO 2002). Eine Gewässernähe ist zwar förderlich, aber nicht zwingend notwendig. Allgemein sind eine gewisse Bodenfeuchte bzw. ein feuchtes Kleinklima Voraussetzung für eine Besiedlung. Insofern ist der Name „Bach“stelze eher irreführend.

Beliebte Nahrungsplätze sind offene Dungund Mistlagerplätze auf landwirtschaftlichen Hofstellen oder in der offenen Agrarlandschaft. Diese sind Brutund Vermehrungsstätte von einer Reihe von Fliegenund Mückenarten, die dann teilweise in großen Individuenzahlen vorkommen und somit ein reichhaltiges Nahrungspotenzial darstellen. Bemerkenswert ist auch, dass die Bachstelze eine der ganz wenigen heimischen Brutvogelarten ist, die in der Lage ist, selbst regelmäßig frequentierte Straßen bis zu einer gewissen Verkehrsdichte zur Nahrungssuche zu nutzen, ohne dass durch den Straßenverkehr erwähnenswerte Verkehrsopfer zu beklagen wären. In frühsommerlichen Hitzeperioden wird bei der Nahrungssuche regelmäßig auf feucht-schattige Waldwege in Hochwäldern ausgewichen (eig. Beob.).

Als Brutplätze werden von dem Nischenbrüter eine Vielzahl von Bauten und technischen Konstruktionen wie Viehställe und -unterstände, Fabrikund Industrieanlagen, Brücken, Wohnhäuser und technische Anlagen vielfältigster Art genutzt. Auch in Halbhöhlen und Spalten an Bäumen, an Felsen, in alten Nestern von z. B. Schwalben oder Mäusebussarden können Bachstelzen nisten. Nester am Erdboden, dann aber bevorzugt in Hangoder Steillagen wie Böschungen, Uferabbrüchen, Kies-, Sandgruben und Steinbrüchen, sind ebenfalls verbreitet (Mildenberger 1984, Pfeifer in NWO 2002).

Trotz ihrer sehr weiten Verbreitung sind von der Bachstelze im Gegensatz zu anderen häufigen Singvogelarten keine besonders hohen Siedlungsdichten bekannt. Mehr als 10 Rev./km² werden selten erreicht, und maximal wurden 16 Rev./km² auf der ÖFS-Fläche Anröchte (Kreis Soest) festgestellt (2005).

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