Die Brutvögel

Nordrhein-Westfalens

logo NWO NWO
Nordrhein-
Westfälische
Ornithologengesellschaft
logo LANUV
-->
A+
A
A-

Singdrossel (Turdus philomelos)

Lebensraum

Ähnlich wie die Amsel ist die Singdrossel ursprünglich eine reine Waldart. Besiedelt werden Wälder mit dichter, üppiger Strauchschicht oder geschlossene, dichte, junge bis mittelalte Wälder und Forste, die einerseits eine geschützte Nestanlage, andererseits einen offenen Waldboden für die am Boden stattfindende Nahrungssuche bieten. Hochstämmige Altersklassenwälder ohne Strauchschicht bzw. jüngere Waldentwicklungsphasen werden nicht oder nur in geringer Dichte besiedelt. Wird der Waldboden von dichten (verfilzten) Hochgrasbeständen gebildet, ist eine Nahrungssuche erheblich erschwert. Brutund Nahrungshabitat können räumlich in gewissem Umfang getrennt sein. So sind im Bergland ältere Fichtendickungen und Fichtenstangenholzbestände beliebte Bruthabitate. Die Regenwurm-dominierte Nahrung wird dann bevorzugt auf vorgelagertem Dauergrünland, insbesondere Viehweiden, gesucht.

Die Nutzung von kurzgrasigem Grünland zur Nahrungssuche und eine Reduzierung der Fluchtdistanz waren Voraussetzungen dafür, dass die Singdrossel seit ca. 100 Jahren den städtischen Raum besiedeln konnte (Neubaur 1957). Gegenüber der Amsel sind für eine Ansiedlung der Singdrossel im urbanen Bereich jedoch größere Gebüschund Gehölzbestände notwendig. Daher liegen die Siedlungsdichten hier immer unter denen der Amsel. Optimale Bruthabitate, die junge Koniferenbestände und dauerhaft kurzrasige Grünlandflächen als Nahrungshabitat in räumlich idealer Weise eng miteinander verzahnen, sind z. B. Friedhöfe, Parks und Villengärten. Die verbreitete Gartengestaltung mit hohem Anteil an Koniferen in Kombination mit Rasenflächen in Gartenstädten und Villenvierteln ist ähnlich attraktiv. Dichte breite Hecken, dichte Gebüsche und Feldgehölze werden regelmäßig angenommen. Die Singdrossel zeichnet sich durch eine nahrungsökologische Besonderheit aus: die Nutzung von Gehäuseschnecken in sogenannten Schneckenschmieden. Zumindest bei dauerhaften bzw. längeren Trockenperioden stellen sie eine wichtige Alternative zu der dann schwieriger erreichbaren Regenwurmnahrung dar. Auf diese Weise kann die Singdrossel auch gehäuseschneckenreiche Lebensräume mit geringer Bodenfeuchte wie z. B. Trockenrasen besiedeln. Gehäuseschnecken werden von Singdrosselweibchen auch zur Produktion der Eischalen benötigt. In Buchenwäldern mit Bodenversauerung können weniger Gehäuseschnecken leben, da ihnen der Kalk fehlt. Das führt zu einer sinkenden Reproduktionsrate und Siedlungsdichte der Singdrossel in solchen Wäldern (Schlender et al. 2007).

Inhalt

Artenverzeichnis

Bitte geben Sie hier Buchstaben ein, um die Artenliste einzublenden.

Der Brutvogelatlas wurde unterstützt von

Artpate werden

Unterstützen Sie die Arbeit der NWO durch die Übernahme einer Patenschaft

Artpaten